Sprungbrett Schulabschluss für Deine Zukunft

Ein Programm der Off Road Kids Stiftung für junge Volljährige ohne Schulabschluss

Programmbeschreibung

PREJOB ermöglicht den Teilnehmenden, die eigene Lebenssituation zu strukturieren und zu stabilisieren, einen Haupt- oder Realschulabschluss zu erlangen und einen passenden Berufsausbildungsplatz zu finden.

Zielsetzung

Stabilisierung, Schulabschluss, Ausbildung
Sozialpädagogische Begleitung in den ersten Arbeitsmarkt

In Kooperation mit der Flex-Fernschule des Christophorus-Jugendwerks wird den teilnehmenden jungen Menschen die Möglichkeit eröffnet, zugleich sozialpädagogische Begleitung in stabile Lebenssituationen und individuelle Beschulung in einem ganzheitlichen Rahmen zu nutzen. Hierfür wird eine weiterführende sozialpädagogische Individualbetreuung mit dem etablierten Flex-Fernschulprogramm zusammengeführt und um eine individuelle Lernhilfe durch Fachkräfte erweitert.

Einzelbeschulungen können so (nach erfolgter Klärung der Wohnsituation und Stabilisierung der Lebensumstände) ohne weitere Wartezeit begonnen werden. Dauer und Intensität orientieren sich am individuellen Bildungsstand und Lernvermögen. Das PREJOB-Programm erlaubt temporäre, sanktionsfreie Unterbrechungen der Beschulung etwa zur sozialpädagogischen Klärung von Krisensituationen und wird dem unsteten Lebenswandel entkoppelter junger Menschen gerecht. So soll die Stabilisierung weiter ausgebaut sowie Schulabschlüsse für die berufliche Ausbildung und Integration in den ersten Arbeitsmarkt erreicht werden.

Wirkung

Berufliche Qualifikation und gesellschaftliche Integration

Durch die mit der sozialpädagogischen Betreuung engmaschig verknüpften individuellen Beschulung sollen bei entkoppelten jungen Menschen in verhältnismäßig kurzer Zeit aussichtsreiche sowie stabile Lebenssituationen und Schulabschlüsse für die berufliche Ausbildung und gesellschaftliche Integration erreicht werden. Da die Schulabschlüsse im Rahmen von Schulfremdenprüfungen an Regelschulen abgelegt werden, bieten sie den jungen Menschen aussichtsreiche Voraussetzungen für den Zugang in den Ausbildungsmarkt.

Alleinstellungsmerkmale

Kombination Sozialarbeit + Flex-Fernschulsystem

  • jederzeitige Aufnahme in das PREJOB-Programm
  • individuelle Stabilisierung und Betreuung durch Sozialarbeitende
  • individuelle Bildungsstandsanalyse
  • individuelle, variable Flex-Fernbeschulung & Lernbetreuung bei PREJOB
  • Schulabschlusszeugnis einer Regelschule (Externenprüfung)
  • individuelle Begleitung bei Eingliederung in Berufsausbildung und Arbeit

Teilnahme am PREJOB-Programm

1. Eintritt in das PREJOB-Programm

Zugang für junge Menschen (U25): Der Zugang zum PREJOB-Programm ist für alle jungen entkoppelten Menschen (U25) offen, die einen Haupt- oder Realschulabschluss erreichen wollen und die das Ziel haben, eine berufliche Ausbildung zu beginnen.

2. Sozialpädagogische Begleitung und Flex-Fernbeschulung

Umfassende professionelle Betreuungsleistung: Die Begleitung und sozialpädagogische Betreuung der PREJOB-Teilnehmenden wird ausschließlich von hauptamtlichen Sozialarbeitenden und SozialpädagogInnen geleistet. Die Betreuung erfolgt in einem Bezugsbetreuungssystem und erfolgt vorrangig in den PREJOB-Räumen. Betreuungsbesuche durch die Sozialarbeitenden in den Wohnräumen der PREJOB-Teilnehmenden können zusätzlich angeboten werden. Professionalität und Betreuungskontinuität gewährleisten eine qualitativ hochwertige Beratung und vertrauensvolle Begleitung.

Die Betreuungsleistung untergliedert sich in folgende Phasen und Zeiträume:

2.1 Akquise

Interessierte junge Menschen gelangen über verschiedene Wege in das PREJOB-Programm:

  • Proaktive Ansprache junger Menschen im Rahmen der Off Road Kids-Straßensozialarbeit
  • Empfehlungen von Maßnahmeträgern
  • Kooperationen mit (mobilen) Jugendhilfeangeboten der Stadt Köln und anderer Träger
  • Empfehlungen von Anlaufstellen für wohnungslose junge Menschen
  • Mund-zu-Mund-Propaganda und  Internet-Werbung
  • Zuweisung durch das Jobcenter (z. B. von Integrationsfachkräften)

Die Aufnahme erfolgt für den Bereich SGB II in Abstimmung mit dem Jobcenter, im Einzelfall bei Bedarf für den Bereich SGB VIII auch mit dem Jugendamt oder für andere Bereiche mit anderen Rechtsträgern.

2.2 Clearing-Phase

Jeder einzelne PREJOB-Teilnehmende durchläuft nach einem ersten Kennenlern- und Informationsgespräch eine maximal sechs Wochen andauernde, individuelle Clearing-Phase. In dieser Zeit wird die Lebenssituation stabilisiert, der Bildungsstand analysiert und die Anbindung an das SGB-Regelsystem umgesetzt:

2.2.1 Clearing-Phase: Stabilisierung der Lebenssituation

Diese erste Clearing-Phase beginnt mit einer umfangreichen Systemdiagnostik zur Klärung der aktuellen Lebenssituation sowie der vorhandenen Ressourcen und Hemmnisse. Gemeinsam mit den einzelnen Teilnehmenden und den ggf. hinzuzuziehenden Institutionen (bestehende Betreuungen, Therapien, Bewährungshilfe,…) erarbeiten die Sozialarbeitenden individuelle Ziele und Zukunftsperspektiven für die jungen Menschen und helfen ihnen bei der Stabilisierung ihrer Wohn- und Lebenssituation. In diesen Prozess werden frühzeitig eventuell vorhandene Bezugsbetreuungen aus anderen Hilfestrukturen einbezogen, um eine motivierende und unterstützende Zusammenarbeit vorzubereiten. Bereits bestehende Hilfesysteme werden integriert, Unterstützungsnetzwerke bei Bedarf erweitert und durch die Sozialarbeitenden von PREJOB unterstützt. Während der Clearing-Phase ist es bedeutsam, eine motivierende Bindung zu den Teilnehmenden aufzubauen, da bei den meisten Interessierten ein geordneter Tagesablauf mit einzuhaltenden Verpflichtungen bereits länger zurück liegt. Vielfältige negative Erfahrungen aus der früheren Schulzeit stehen der neuen Zielsetzung, einen Schulabschluss anzustreben, zudem entgegen.

2.2.2 Clearing-Phase: Bildungsstandsanalyse

In der Clearing-Phase wird der individuelle schulische Werdegang der einzelnen Teilnehmenden nachvollzogen. Mit einer standardisierten Bildungsstandsanalyse der Flex-Fernschule wird in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch analysiert, wie hoch der prozentuale Anteil des benötigten Wissens in diesen Fächern für einen Haupt- bzw. Realschulabschluss ist. Auf der Basis der Bildungsstandanalyse und der Belastbarkeit der einzelnen Teilnehmenden entwickelt die Flex-Fernschule in enger Absprache mit den Sozialarbeitenden und Lernbegleitern individuelle Lernpläne. Die Sozialarbeitenden entwickeln darauf aufbauende individuelle Betreuungspläne und treffen mit den Teilnehmenden Zielvereinbarungen.

2.2.3 Clearing-Phase: Anbindung an das Regelsystem

Ein großer Teil der von den Sozialarbeitenden erreichten, am PREJOB-Programm interessierten jungen Menschen ist obdachlos oder lebt bei mehr oder minder guten Bekannten in verdeckter Obdachlosigkeit. Weitere leben in zerrütteten Familienverhältnissen. Nahezu alle sind zunächst von den Regelsystemen entkoppelt. PREJOB soll daher inklusiv und nicht exklusiv wirken.

Die Sozialarbeitenden bei PREJOB sind in Bezug auf die SGB-Regelsysteme, deren jeweiligen Eingangsvoraussetzungen und die Art und Weise der Beantragung kompetent und erfahren. In der Regel klären sie mit den Teilnehmenden die individuelle Regelsystemzugehörigkeit binnen sechs Wochen. Während dieser Phase wird die Betreuung nicht unterbrochen:

Bei Teilnehmenden, die dem Grunde nach dem Rechtskreis SGB II zugehörig sind und in die örtliche Zuständigkeit des Jobcenters fallen, erfolgt die Anbindung an das Jobcenter umgehend durch Antragstellung nach dem SGB II. Erfahrungsgemäß wird diese Rechtskreiszugehörigkeit den Regelfall darstellen.

Sollten sich im Ausnahmefall innerhalb der Clearingphase Hinweise dafür ergeben, dass ein Teilnehmender aufgrund seiner Lebenssituation aktuell und auch auf absehbare Zeit keinen Anspruch auf SGB II-Leistungen hat (s. Verfahrensregelungen §16h SGB II, Förderung schwer zu erreichender junger Menschen (FseJ) Zentrale der BA, AM 42 v. 20.1.2018, S. 3) wird umgehend geprüft, ob ein Anspruch auf Kostenübernahme durch das SGB VIII hergestellt werden kann (Jugendhilfeantrag beim örtlich zuständigen Jugendhilfeträger).

Es wird zudem geprüft, ob alternativ die Rechtskreise SGB XII/ SGB IX den jungen Menschen mit Blick auf eine PREJOB-Teilnahme unterstützen können.

Sollte im absoluten Ausnahmefall eine SGB II-Antragstellung erfolglos sein und keine Leistungen über SGB VIII / SGB IX / SGB XII infrage kommen, scheidet der junge Mensch aus PREJOB aus.

Die Teilnehmenden werden bei der Bearbeitung der Antragsunterlagen, der Organisation des Antragstermins und der Antragsabgabe durch die Sozialarbeitenden unterstützt. Anschließend koordinieren und begleiten die Sozialarbeitenden zusätzlich die Kommunikation zwischen den einzelnen Teilnehmenden und den jeweiligen Regelsystemen. Bei Bedarf sind die Teilnehmenden in dieser Phase für die Behörden über PREJOB postalisch erreichbar. Soweit es von allen Beteiligten erwünscht ist, erfolgt eine ergänzende direkte Kommunikation zwischen den Fachkräften in den Regelinstitutionen (z.B. Jobcenter) und den Sozialarbeitenden.

2.3     Betreuungs- und Fernbeschulungsphase

Die kontinuierliche Betreuung ist in dieser Phase mit mindestens zwei persönlichen Gesprächsterminen (je 60 Minuten) in der Woche gewährleistet. Insbesondere in der Anfangszeit, der Prüfungszeit und bei Kriseninterventionen fallen zusätzliche Betreuungstermine an. Die Sozialarbeitenden sind während der üblichen Geschäftszeiten anwesend und ansprechbar. Für Kriseninterventionen steht außerhalb der Dienstzeiten eine gebührenfreie 0800-Hotline zur Verfügung.

Generell können Gesprächstermine werktags bei Bedarf vereinbart werden. Der Bedarf kann sowohl von Teilnehmenden selbst, als auch von Mitarbeitenden festgestellt werden (Krisenintervention). Anzeichen für zusätzlichen Betreuungsbedarf können unentschuldigtes Fehlen, negative Rückmeldungen beim Lernfortschritt, Erkrankungen, pathologische Verhaltensweisen, Intoxikationen oder Selbst-/Fremdgefährdung sein. Ziel der Beratung und Begleitung sind in dieser Phase die Vermeidung destabilisierender Faktoren in allen Lebensbereichen und die Fortführung der Beschulung.

Die Teilnehmenden nehmen das Selbstlernangebot der Flex-Fernschule wahr. Die Bearbeitung der durch die Flex-Fernschule individuell zusammengestellten Selbstlernmaterialien erfolgt in der Regel in den PREJOB-Räumlichkeiten und wird durch Lernbegleitende flankierend begleitet. Anhand der Einstufung in die entsprechenden Kurslektionen wird gemeinsam die Rückmeldung der Flex-Fernschule besprochen und ein erster Lernplan erarbeitet. Dieser beinhaltet eine Absprache über das Wochenlernpensum, Termine zur Nachhilfe und für die Unterstützung bei Partneraufgaben sowie die Termine zur Kontrolle und Korrektur der Lernmaterialen.

Veränderungen oder Anpassungen im Lernplan können jederzeit flexibel geplant und eingeleitet werden, so dass eine möglichst zielgerichtete Fortführung der Teilnahme erreicht wird. Möglich ist dies, da die Mitarbeitenden auf die kompletten Lernmaterialen der Teilnehmenden vor Ort zugreifen können. Weiterhin ist es das Ziel, die Teilnehmenden darin zu unterstützen, mit der Zeit einen eigenen Wochenstundenplan zu entwickeln, der die vollständige Bearbeitung des wöchentlichen Lernpensums (inklusive ergänzender Nachhilfe und Selbstlernzeiten) ermöglicht.

Lebenswelt und aktuelle Situation

Die persönliche Situation der Teilnehmenden hat in der Begleitung einen hohen Stellenwert, da sie mitunter komplexe Biographien und verschiedenste Ausgangssituationen in die Betreuung mitbringen. Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden ihre individuellen Themenfelder im Wochengespräch bearbeitet, so dass bei (aufkommenden) Problemen oder auf Veränderungen rechtzeitig reagiert und angemessen interveniert werden kann (in Form von Gesprächen oder Begleitungen/Vermittlung zu anderen Institutionen).

Ergänzende Hilfenetzwerke

Werden Teilnehmende bereits in einem Hilfesystem betreut, so wird ein steter und umfassender Austausch aller Beteiligten hergestellt und fortgeführt. Ebenso verhält es sich, wenn neue Hilfesysteme etabliert werden, um so die umfangreiche und erfolgreiche PREJOB-Betreuung zu gewährleisten. In der Praxis bedeutet dies, dass Termine beim Jobcenter zusammen mit PREJOB-Sozialarbeitenden wahrgenommen werden. Zudem werden monatliche Koordinationstermine mit begleitenden Institutionen durchgeführt, um sich gemeinsam über die Entwicklung und aktuelle Situation auszutauschen.

Berufsfindung und Perspektivplanung

Während des Erst-/Anamnesegesprächs werden vorab die Ziele für die spätere berufliche Orientierung erfragt und festgehalten. In der fortschreitenden Betreuungsphase gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung, wobei die zuvor gewonnene berufliche Orientierung stetig evaluiert und gegebenenfalls neu ausgerichtet wird. Die Beratung wird dann Themen wie z.B. Berufsfindung, Bewerbungstraining, Praktikums-/Ausbildungsplatzsuche sowie Überleitung in den Arbeitsmarkt verstärkt aufgreifen, damit die erfolgreiche Integration im Anschluss an die Beschulung nachhaltig gesichert werden kann. Hierbei werden neben der eigenen Recherche zur Berufsfindung auch auf die bestehenden Angebote des Jobcenters zurückgegriffen.

Temporäre Unterbrechungen

Die Beschulungsphase kann im Notfall jederzeit sanktionsfrei und ohne negative Auswirkung für die generelle Teilnahme unterbrochen werden. Dies bietet den großen Vorteil, auf instabile Lebenssituationen oder Krisen der Teilnehmer flexibel reagieren zu können und einen sofortigen Abbruch zu vermeiden. Nach einer erfolgreichen Stabilisierung kann die Beschulung fortgesetzt werden. Stellt sich heraus, dass die (Lebens-) Situation ein Fortsetzen der Beschulung in absehbarer Zeit nicht zulässt, wird die Teilnahme durch die Projektleitung in Absprache mit dem Jobcenter und der Flex-Fernschule beendet. Entscheidungen darüber werden im Einzelfall und nach eingehender Beratung im Team der Mitarbeitenden, begleitenden Betreuungspersonen sowie (soweit möglich) dem betroffenen Teilnehmenden getroffen.

Eine beendete aktive Teilnahme kann nach einem erneuten klärenden Gespräch und unter Betrachtung der ggf. veränderten Situation jederzeit wieder reaktiviert werden. Aus den bisher vorliegenden Erfahrungen wird es einige Teilnehmende geben, denen es erst nach mehrmaligem (Re-)Start gelingen wird, bis zum Ablegen der Schulfremden- bzw. Externenprüfung zu gelangen.

2.4 Prüfungsphase

Während der Prüfungsphase (im Frühjahr) wird neben der intensiven Prüfungsvorbereitung zudem die Suche nach Ausbildungsstellen intensiviert. Die jungen Menschen bewerben sich für Berufspraktika und Ausbildungsplätze im Anschluss an die Schulabschlussprüfung.

2.5 Übergangsphase in die Berufsausbildung

An die Schulabschlussprüfung schließen sich Berufspraktika und eine Berufsausbildung an. Im Einzelfall wird eine weitergehende Betreuung organisiert. Auch in den Fällen, in denen die jungen Menschen eine andere, beispielsweise schulisch weiterführende Perspektive wählen, reicht die Betreuung in die Startphase des Anschlusses hinein.

PREJOB stellt sicher, dass die jungen Menschen auch beim Einstieg in eine Ausbildung, in eine ausbildungsorientierende und -vorbereitende Maßnahme oder bei weitergehenden Bildungsschritten weiterhin unterstützt werden. Diese Nachbetreuung beinhaltet bei Bedarf die Organisation weitergehender Hilfen.

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